Energiearbeit und Achtsamkeit im Spa: In großen Teilen der Gesellschaft steigt der Konsum von Psychopharmaka und Amphetaminen, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Andererseits entwickelt sich Yoga zu einer Art Volkssport. Kein Wunder also, dass das Thema Achtsamkeit längst in Spas angekommen ist und immer mehr Beachtung findet.

Zu den gängigsten Behandlungen in Spas gehören zum Beispiel Reiki – eine sehr alte, natürliche Entspannungsmethode, die zur Harmonisierung des Energiehaushalts führt – und Yoga Nidra. Während des Ablaufes der Yoga Nidra-Übung gleichen sich die Frequenzen der rechten und linken Hirnhälfte an. Dieser Zustand, ähnlich der Übergangsphase zwischen Wachsein und Schlafen, wird als sogenannter Alpha-Zustand bezeichnet. Er soll viel wirkungsvoller und wohltuender sein als normaler Schlaf und viele Krankheiten heilen. Entschleunigungswanderungen und geführte Meditationen findet man heute ebenso selbstverständlich in den Aktivprogrammen der meisten Spas wie Qi Gong, Tai Chi und/oder Atemübungen. Eine weitere Behandlung in diesem Bereich ist beispielsweise MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction – Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion). MBSR wird nicht nur in der Psychotherapie und im Coaching eingesetzt, sondern auch zunehmend von professionellen Coaches in Wellness-Resorts angeboten. Folgende Gründe sollten eine Teilnahme an einem Achtsamkeitstraining oder einer Energiebehandlung im Wellnessbereich allerdings ausschließen: Depression, Psychosen, Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch und Suizidalität, jeweils im akuten Stadium. Hier muss der Therapeut den Teilnehmer an einen Psychologen oder Arzt verweisen, da diese Symptome schlimmstenfalls verstärkt werden können.

Eine gute Ausbildung muss sein!

Trainer, die solche Programme durchführen, sollten über eine profunde Ausbildung verfügen und die Inhalte selbst leben. Bei der Beurteilung einer guten Ausbildung kommt es in erster Linie auf das Renommee der Schule bzw. Akademie und auf die Dauer an. Ein in wenigen Wochenendseminaren erworbenes Zertifikat, ohne passende Vorbildung, entspricht in der Regel nicht der gewünschten Qualität. Letztlich sollte die Leitung einer Wellness-Abteilung die Qualität bei einem Bewerbungsgespräch immer durch eine Probebehandlung spüren können. Hier muss natürlich vorausgesetzt werden, dass die Spa-Leitung das Know-how besitzt und sensibel genug ist. Aus eigener Erfahrung hat nur etwa einer von zehn Bewerbern den sogenannten »touch«, der sich vom routinemäßigen Standard unterscheidet. Für den besonderen »touch«, der bei energetischer Arbeit unerlässlich ist, braucht es neben einem hohen Maß an Empathie, Präsenz und Achtsamkeit auch ein gutes Quantum Erfahrung sowie Interesse an Selbstwahrnehmung und therapeutischer Arbeit. In einem gewissen Maß kann das natürlich in einem Spa trainiert werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Therapeut Interesse daran hat, Achtsamkeit und energetisches Arbeiten zu erlernen. Zum echten Energiebehandler bzw. Coach sollte jedoch immer noch eine Zusatzausbildung gemacht werden.

Persönliche Beratung der Gäste

Idealerweise sind die Behandlungsräume nach den Richtlinien des Feng Shui eingerichtet und sehr gut isoliert, sodass kaum Störgeräusche auftreten. Eine reduzierte Gestaltung der Einrichtung erleichtert den Teilnehmern das Einlassen auf eine energetische Behandlung, da die Gestaltung immer ein Spiegelbild der inhaltlichen Ausrichtung ist. Der durchschnittliche Kunde, der eine Energiebehandlung nachfragt, hat meist schon eigene Erfahrungen damit gesammelt und bringt eine gewisse Erwartungshaltung aufgrund seiner Vergleichsmöglichkeiten mit. In der Regel praktiziert er Yoga oder hat eine andere Art der Erfahrung mit aktiver Entspannung. Um Gäste mit und ohne Vorerfahrungen für diverse Angebote und Behandlungen zu interessieren, ist es hilfreich die Spa-Therapeuten und Kursleiter persönlich vorzustellen, statt einfach nur eine Beschreibung der Behandlung oder der Aktivitäten im Spa-Menü oder in anderen Kommunikationsmitteln im Haus zu präsentieren.

Mit Schnupperangeboten neugierig machen

Um Gäste ohne Vorerfahrung in diesen Bereichen zu sensibilisieren, kann man »Schnupperangebote« kreieren. Angefangen von Vorschlägen zu einfachen Wahrnehmungsübungen, die ansprechend verpackt beim Einchecken überreicht werden oder als Gruß vom Spa auf den Zimmern oder dem Frühstückstisch stehen. Die Gäste können persönlich angesprochen und zu »kleineren« Aktivitäten eingeladen werden. Am wichtigsten ist wohl eine kompetente und emphatische Beratung bei der Auswahl der passenden Behandlung an der Spa-Rezeption. Solch ein Angebot lässt sich gut in Packages integrieren. Achtsamkeit ist ein holistischer Begriff und wird erst dann glaubhaft, wenn sie im gesamten Spa nicht nur angeboten, sondern auch gelebt wird. Dann schließt sie auch keinen Bereich aus, sondern verbindet Themen wie Ernährung, Schlaf, Bewegung, Wohlbefinden, Kommunikation, Kosmetik und Körperarbeit. Werden Gäste durch eine lebendige Atmosphäre der Achtsamkeit und die entsprechenden Angebote nachhaltig inspiriert, ergibt sich daraus der wohl größtmögliche und nachhaltige Nutzen mit Auswirkungen auf den Gast und sein Alltagsleben zu Hause.

Urs Hoffmann, Geschäftsführer von Livinspa Training & Consulting

08.07.2015; Quelle: spa business magazine 2/2015; Bild: Nivea

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